Autarkiegrad – was er bedeutet und wie man ihn misst
Was ist der Autarkiegrad eigentlich? Ich erkläre die Kennzahl, die wirklich zählt, und wie ich meinen messe.
Von Redaktion AutarkieHome · Redaktion · veröffentlicht am 16. Oktober 2025
Die wichtigste Kennzahl der Energieunabhängigkeit
Wenn ich über mein Autarkie-System spreche, fragen mich die meisten zuerst: „Wie viel spart du damit?" Aber die eigentlich interessantere Frage ist: „Wie autark bist du?" Die Antwort liegt im Autarkiegrad – einer Kennzahl, die ich anfangs selbst kaum kannte und heute täglich beobachte.
Was ist der Autarkiegrad?
Der Autarkiegrad beschreibt den Anteil des eigenen Strombedarfs, der durch selbst erzeugten Strom gedeckt wird. Die Formel ist einfach:
Autarkiegrad = (Eigenverbrauch / Gesamtverbrauch) × 100
Beispiel: Verbrauche ich im Jahr 6.500 kWh und beziehe davon 850 kWh aus dem Netz, dann nutze ich 5.650 kWh eigenen Strom. Das ergibt einen Autarkiegrad von 86,9 %.
Autarkiegrad vs. Eigenverbrauchsquote: der Unterschied
Diese beiden Begriffe werden häufig verwechselt. Der Unterschied ist wichtig:
- Autarkiegrad: Wie viel meines Verbrauchs decke ich selbst? (Verbrauchsperspektive)
- Eigenverbrauchsquote: Wie viel meines erzeugten Stroms nutze ich selbst? (Erzeugungsperspektive)
Für Autarkieziele ist der Autarkiegrad die relevante Kennzahl. Eine hohe Eigenverbrauchsquote bedeutet nicht zwingend hohe Autarkie – sie könnte auch bedeuten, dass die Anlage zu klein ist.
Wie messe ich meinen Autarkiegrad?
Messen tue ich ihn über das Energiemanagementsystem. Der SMA Home Manager erfasst alle relevanten Flüsse und berechnet kontinuierlich:
- Solarproduktion (kWh)
- Netzbezug (kWh)
- Einspeisung (kWh)
- Speicherladung und -entladung (kWh)
- Gesamtverbrauch (kWh)
Aus diesen Werten errechnet das System automatisch tagesgenaue und jährliche Autarkiewerte.
Meine realen Autarkiewerte über das Jahr
Hier sind meine echten Monatswerte aus dem letzten Betriebsjahr:
- Januar: 48 % – viele Wolken, kurze Tage
- Februar: 61 %
- März: 78 %
- April: 94 %
- Mai–August: >99 % – nahezu komplett autark
- September: 95 %
- Oktober: 82 %
- November: 55 %
- Dezember: 43 %
- Jahresdurchschnitt: 87 %
Wie verbessere ich den Autarkiegrad?
Wer seinen Autarkiegrad verbessern will, hat mehrere Hebel:
- Größerer Batteriespeicher: speichert mehr Überschuss für Nacht und Schlechtwettertage
- Größere PV-Anlage: produziert mehr auch bei schlechtem Wetter
- Lastverschiebung: Verbraucher auf Tageszeiten mit hoher Produktion verschieben
- Verbrauchsreduzierung: Effizienzgeräte, bessere Dämmung
Was 87 % Autarkie im Alltag bedeuten
In der Praxis bedeutet unser Jahreswert von 87 %, dass wir jährlich nur noch etwa 850 kWh aus dem Netz beziehen. Bei einem Strompreis von 32 Cent pro kWh entspricht das Kosten von 272 Euro pro Jahr. Vorher waren es über 2.100 Euro. Der Unterschied: fast 1.900 Euro jährliche Einsparung – und das Gefühl, wirklich frei zu sein.